Todmüde und ziemlich duun im Kopf zog Mick seine Sachen und die unbequemen Boxershorts aus und warf sich aufs Bett. Die Kinoposter blickten auf ihn herab, als er nach der Kordel zum Zuziehen der Bettvorhänge suchte, sie in seinem Brand nicht finden konnte und schließlich aufgab.
Quer über das Bett gelegt schlief Mick röchelnd ein. Mit offenem Mund, aufs Kissen sabbernd.
“Hier haben wir ein bisschen Ruhe.” sagte sie, nachdem sie die Tür geöffnet und Licht angemacht hatte.
“Ruhe ist gut.” sagte er und schloss die Tür, während sie vor ihm stand und ihn anlächelte.
Als er sie küsste, schmeckte sie seinen Schweiß auf der Oberlippe, und in seinen Haaren, die sie mit ihren Fingern durchfuhr, trocknete er bereits.
“Also deswegen kommst Du so spät, ja?” fragte sie mit gespielt vorwurfsvollem Unterton.
“Tja, Training ist Training.” antwortete er. “Ich wäre auch lieber hier gewesen.”
“Ich hätte Dich gebraucht. Die Party war totlangweilig.”
“Dann erzähl mir nichts davon.” sagte er und küsste sie wieder, während er
sie an sich drückte.
Als er sie rückwärts schob, Richtung Bett, spürte sie sein hartes Mitbringsel in der Hose. Sie zog den Kopf zurück.
“Weißt Du…” begann sie, aber er sah starr mit aufgerissenen Augen an ihr vorbei auf das Bett und seine Nasenflügel weiteten sich wie die Nüstern eines Nilpferds.
“Wer ist das da?!” donnerte er.
“Wer?” fragte Marie und folgte seinem Blick zu ihrem Bett, wo, in ihre Bettdecke eingewickelt, ein fremder Typ pennte, den sie sogleich als den Kerl erkannte, mit dem ihre Schwester zur Zeit rummachte.
Und der lag in ihrem Bett!
Sie stieß einen Schrei aus, der Maria Callas alle Ehre gemacht hätte und der bewirkte, dass Mick erwachte, die Tür aufgerissen wurde und ein halbes Dutzend Leute nachsehen wollten, woher dieser Wahnsinnskrach kam.
“Was suchst Du Penner in meinem Bett?!” schrie Marie und riss die Bettdecke weg.
Eine Sekunde später wünschte sie, sie hätte es nicht getan, denn Mick lag splitternackt auf dem Laken und guckte verwirrt umher.
“Was macht Ihr in meinem Zimmer?” fragte er in genau dem Moment, in dem Erik sich zu den Zaungästen vor der Tür gesellte, die Situation erkannte und lauthals in Gelächter ausbrach.
“Was heißt hier Dein Zimmer? Das ist immer noch mein Zimmer! Und mein Bett, Du Arschloch!”
Erik betrat den Raum und scheuchte die anderen Gaffer weg.
“Hier gibt’s nix zu gucken.” sagte er und machte die Tür zu. “Ist Jenny etwa auch hier?” fragte er neugierig.
“Das darf doch wohl nicht wahr sein.” jammerte Marie verzweifelt.
“Reg Dich ab, Du siehst doch, der ist stockbesoffen.” versuchte Erik sie zu beschwichtigen. Mick wälzte sich vom Bett und suchte nach seinen Klamotten.
“Wie kann man nur so besoffen sein?!” keifte Marie. “Ich kann in dem Bett nie wieder schlafen. Schmeiß ihn raus!” sagte sie zu ihrem Begleiter, der bis dahin gehofft hatte, in wenigen Minuten selbst nackt dort zu liegen, wenn auch in einer anderen Situation.
“Ich kann keinen nackten Mann anfassen.” sagte er angewidert.
“Gut so.” sagte Erik. “Wenn Du ihn doch anfasst, hau ich Dich durch die Wand! Komm Alter,
zieh Dich an, wir fahren nach Hause.”
“Ich denk, ich bin zu Hause.” murmelte Mick, gehorchte aber und fing an, sich anzuziehen, wobei Erik ihm als geübter Zivi tatkräftig Hilfestellung leistete.
“Ich schlaf heute auf der Couch.” sagte Marie, während sie, bevor sie ihren Blick abwendete, kurz Micks Hintern aufleuchten sehen konnte, als er sich vom Bett erhob, um sich die Unterhose anzuziehen.
“Da hat einer draufgekotzt.” sagte Erik und hielt Mick fest, damit dieser beim Sockenanziehen nicht umfiel.
“Ich war das nicht.” sagte Mick. “Glaub ich.”
“Warst Du auch nicht.” bestätigte Erik. “Ist gerade vor ein paar Minuten passiert und Du hast für diesen Zeitpunkt ein astreines Alibi. Du lagst ja in Maries Bett.”
“Oh Mann.” ächzte Marie. “So `ne Scheiße.”
Ihr Begleiter, ein kleiner, stämmiger Typ, legte tröstend einen Arm um sie, während er kaum seinen bebenden Zorn verbergen konnte, mit dem er zu Mick hinübersah. Heute hatte es endlich sein sollen. Heute hatte er sie knacken wollen und er war sicher, dass es geklappt hätte, wenn nicht dieser Typ in ihrem Bett gelegen hätte, der sich besoffen dahin verirrt hatte. Dafür hätte er ihm eins auf die Fresse hauen können, aber im Moment glaubte er,
dass es angebrachter wäre, den Sanften zu markieren und zuzusehen, wie der Typ, der ihm die Nummer versaut hatte, von einem Kumpel mit den Worten “Ich fahr uns nach Hause, Deinen Panzer schmeißen wir hinten rein.” hinausgeführt wurde.


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