Neben mir fing ein Wecker an zu piepen, was mich erschreckt hochfahren ließ. Verwirrt sah ich mich um und bahnte mir dann einen Weg durch die blauen Bettvorhänge zu meinem Nachttisch, wo sich die Geräuschquelle befand. Dort stand ein fremder Wecker und lärmte, bis ich ihm einen Klaps mit der Hand verpasste und er Ruhe gab. Neben dem Wecker lag ein Zettel.

Wollte nicht, dass Du verpennst.
Wir sind schon los.
Denk dran, Tom wegen heute Abend anzurufen.
Peter + Erik

stand mit krakeliger Schrift darauf, die ich als die vom Dritten Mann wiedererkannte. Offenbar war er der Anstifter zu dieser Weckaktion, denn Hinnaak wäre nie auf so etwas gekommen. Der Dritte Mann machte sich scheinbar Sorgen und wollte nicht, dass ich bis heute Abend durchschlafen und damit alles verpatzen würde.
Er wusste ja gar nicht, wie alles auf der Kippe stand. Ich stellte mir die Frage, wie wir davon erfahren sollten, ob Ronnys Band geschäftsfähig war oder nicht. Sollte ich mal zu der Wohnung fahren, in der gestern so lauthals gefeiert worden war? Aber was sollte ich da sagen?
In der Küche, die mal überraschend ordentlich war, machte ich mir mein Frühstück zurecht und trug es auf unserem geklauten Tablett ins Wohnzimmer, wo ich alles zu mehreren Tassen Kakao und ein paar He-Man Videos verdrückte.
Dann machte ich mich bereit, in die Wanne zu steigen. Das Badezimmer machte auch einen sauberen Eindruck und Hinnaaks Supermankostüm war nicht mehr zu sehen. Zum Glück.
Das Killerfon klingelte. Immer noch fuhr ich dabei zusammen. Jedes Mal. Wenigstens saß ich noch nicht in der Wanne.
Ich nahm den Hörer ab und hörte Hinnaaks glucksendes Grinsen. Würde gut zu Goofy passen, fiel mir dabei ein.
“Rate mal was, Dörte.” sagte Hinnaak glücklich.
“Monika hat ihre Cousine zu einer Ménarge à troi mitgebracht.” sagte ich.
“Nein.” meinte Hinnaak. “Das wäre zwar geil, aber nein.”
“Ich hab keine Lust zu raten.” sagte ich ungeduldig. Die Angespanntheit der letzten Tage erreichte bei mir grade einen Höhepunkt.
“Ich hab Ronny angerufen.” sagte Hinnaak glucksend. “Um ihm für heute Abend noch mal alles Gute zu wünschen, zwinker, zwinker.”
“Und?” fragte ich gespannt.
“Er war ganz geknickt. Die ganze Band ist krank, sagt er. Schon in der Nacht ging es los. Sie können nicht auftreten!”
“Oh Mann!” rief ich erleichtert aus und ballte eine Faust.
“Ich hab Ronny gesagt, dass es mir leid tut und hab aufgelegt, bevor er merken konnte, dass es mir überhaupt nicht leid tut.” fuhr Hinnaak fort.
“Gut gemacht, Schwein.” sagte ich vergnügt. “Ich werd jetzt diesen fetten Mistkerl anrufen und ihm sagen, dass wir dabei sind oder ich komm vorbei und geh mit ihm über zwölf Runden.”
“Mach das und danach komm zum Ü-Raum. Die Jungs sind spitze, Du musst dabei sein. Schon aus moralischen Gründen.”
“Alles klar. Halt die Stellung!” sagte ich aufgekratzt und legte auf.
Neben dem Telefon lag die Visitenkarte von Breakthrough Entertainment, auf der auch die Handynummer von Obermaier draufstand. Die wählte ich, denn dass er an einem Samstag im Büro war, hielt ich in Anbetracht der Vorbereitungen, die in der Stadthalle bestimmt im Gange waren, für ziemlich unwahrscheinlich.
Er klang auch ziemlich gestresst, als er sich nach ein paar Mal Klingeln meldete und im Hintergrund hörte ich Radau, als ob handwerklich gearbeitet würde.
“Obermaier!” dröhnte es aus dem Hörer.
“Und hier ist Petersen.”
“Wer ist da?!”
“Mick Petersen, ich hab Sie diese Woche doch fast jeden Tag besucht.”
“Ach ja. Wat willste? Ich hab zu tun!”
“Wie ich hörte, fällt bei Ihnen heute eine Band aus.”
“Woher weißt Du das denn?!” fragte er missgelaunt.
“So was spricht sich in der Stadt schnell rum, wenn man die richtigen Leute kennt. Na, jedenfalls denke ich, es ist an der Zeit, meine Band als Ersatz aufzustellen.”
“Warum sollte ich das machen?” kam die patzige Antwort.
“Weil Sie uns auf die Ersatzliste gesetzt haben.” sagte ich. Langsam ging er mir echt auf die Eier.
“Die Ersatzliste ist lang, Kleiner.” sagte er lässig.
Das durfte ja wohl nicht wahr sein! Jetzt platzte mir der Kragen!
“Jetzt hören Sie mal zu! Sie haben mich tagelang rumgescheucht und schikaniert! Und das völlig grundlos! Keine andere Band hat so etwas machen müssen! Sonst hätten Sie sich das verdammte Demotape auch angehört und dann hätten Sie gemerkt, dass wir die beste Band sind, die Sie kriegen können! Jetzt halten Sie sich verdammt noch mal endlich an Ihr Wort und setzten Sie uns auf die Teilnehmerliste!”
Ein paar Sekunden war Stille in der Leitung und ich befürchtete schon, dass er einfach aufgelegt hatte oder dass er jetzt ebenfalls durchdrehen und rumbrüllen würde, bis er beiläufig sagte
“Na gut, Ihr habt Startnummer Dreizehn.”
Dann legte er auf.

Mit vor Aufregung klopfendem Herzen fuhr ich mit dem Panzer auf den Parkplatz vor der Fabrikhalle. Ich konnte es immer noch kaum glauben. Tatsächlich geschafft. Nach all dem Hin und Her, den Schikanen, den Notlösungen, hatten wir es endlich geschafft. Der Fette hatte uns auf die Teilnehmerliste gesetzt, nachdem ich ihm Druck gemacht hatte. Ich fühlte mich wie ein echter Manager.
Die Band war noch am Üben und schon auf dem Flur vernahm ich eine deutliche Verbesserung ihres Spiels. Irgendwie wirkte alles runder. Man konnte fast annehmen, dass die Jungs dieses Lied schon seit Jahren zusammen spielten.
Eilig betrag ich den Ü-Raum und die Jungs hörten augenblicklich auf zu spielen. Auch wenn sie von den letzten Tagen nicht alles mitbekommen hatten, war ihnen doch klar, wie sehr unser Auftritt in der Stadthalle auf der Kippe stand. Immerhin hätte es sein können, dass dem Veranstalter unser Demotape oder Videoclip nicht gefiel.
Alle sahen mich mit gespanntem Ausdruck an. Mark hinter den Drums, John am Keyboard, Tom mit der Bassgitarre, der Dritte Mann hinter dem Mikro und Hinnaak mit den Händen in den Taschen. Ich wollte die Situation nicht zu spannend werden lassen, außerdem konnte ich sowieso kaum ernst bleiben.
“Wir sind dabei!” rief ich enthusiastisch und die Band brach in ein frenetisches Freudengeheul aus. Mir fiel endgültig ein Stein vom Herzen. Jetzt erst realisierte ich, dass wir es tatsächlich geschafft hatten.
“Wie sieht es hier aus?” fragte ich, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war.
“Perfekt.” sagte Tom. “Wir sind bereit.”
“Dann zeigt mal, was Ihr draufhabt.” sagte ich. “Schließlich haben wir noch ein paar Stunden Zeit.”
Die Band spielte das einstudierte Lied und anschließend zum Amüsement und Zeitvertreib noch ein paar weitere Gigs und das so perfekt, dass ich den Eindruck hatte, es mit Profis zu tun zu haben. Alle waren gut drauf und sich ihrer Sache sicher und alle hatten Bock auf den Auftritt in der Stadthalle. Sie freuten sich darauf, sich vor Publikum beweisen zu dürfen.
Das alles ließ mich dem Talentwettbewerb zuversichtlich entgegensehen. Wäre das nicht ein Wahnsinn, einen Auftritt bei Rock am Ring zu gewinnen?

“Es ist Zeit.” sagte ich. Die Stunden waren nur so verflogen, in denen Hinnaak und ich in der Ecke saßen und die Band beim Jammen beobachteten. “Wir sollten langsam zusammenpacken und zur Stadthalle fahren.”
Die Band nickte stumm. Keine Spur mehr von Enthusiasmus. Hoffentlich hatten sie sich nicht ausgepowert, dachte ich erschrocken.
Sie fingen an, ihre Geräte abzubauen und zu verpacken.
“Haben wir irgendwie eine Eintrittskarte oder so was?” fragte John.
“Nein.” sagte ich. An so etwas hatte ich gar nicht gedacht. “Aber ich hab mit dem Veranstalter gesprochen. Er wird mit Sicherheit vor Ort sein.” fuhr ich fort. Aber plötzlich war ich gar nicht mehr so sicher, dass das ausreichen würde. Vielleicht hatte der Fette sich das inzwischen schon wieder anders überlegt oder würde so tun als hätte er mich noch nie gesehen? Eine telefonisch durchgesagte Startnummer war ja nun nichts Rechtsverbindliches.
Ich wünschte, ich hätte mich besser darum gekümmert, anstatt blind Obermaiers Worten zu vertrauen.
Ohne mir meine Zweifel anmerken zu lassen, half ich Mark mit seinen Drums. Nachdem alles in seinem Transit verstaut war und er die Tür zugeschlagen hatte, machte sich eine Stimmung von Endgültigkeit breit. Jetzt würde es gelten. Alles oder nichts.
“Fährst Du bei mir mit?” fragte John, der mit Hinnaak und dem Dritten Mann zu seinem Mercedes ging.
“Nein, ich hab mein Fahrrad hier.” sagte ich.
“Kannst Du doch hier stehen lassen.” sagte Hinnaak. “Die Mühle klaut doch keiner.”
“Lieber nicht.” sagte ich und schwang mich aufs Fahrrad. Das mein wahrer Grund der war, dass ich durch die Seitenstraßen wahrscheinlich schneller bei der Stadthalle wäre als die anderen, erwähnte ich nicht.
“Dann bis gleich.” rief Mark und stieg in seinen Transit.

Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und die Stadthalle wurde von weitem durch einen riesigen Scheinwerfer gekennzeichnet, der große Kreise an den Abendhimmel warf. Wäre cool gewesen, wenn es wie das Batsignal ausgesehen hätte.
Als ich mich der Stadthalle näherte und den Scheinwerfer sehen konnte, der auf dem Dach montiert war, beschlich mich ein nervöses Gefühl. Was, wenn die Band aus irgendeinem Grund nicht herkommen konnte? Eine Reifenpanne, ein Motorschaden, ein Auffahrunfall mit zerstörten Instrumenten? Immerhin war Hinnaak dabei, da musste man mit allem rechnen.
Aber zuerst wollte ich mich um die Bestätigung der Startnummer kümmern und die Hummeln in meinem Bauch beruhigen.
Als ich meinen Panzer zu den Fahrradständern schob, kam ein Typ mit einer Gitarre an mir vorbei. Ich sah ihm nach, bis er hinter einer Hausecke verschwand. Das musste der Eingang für die Teilnehmer sein, dachte ich mir und ging schleunigst hinterher.
Vor der Tür, neben der ein Schild mit der Aufschrift Künstlereingang hing, stand eine gewaltige Ansammlung von Leuten. Einige mit Instrumenten, viele jedoch ohne. Aber an ihrer Kleidung konnte ich doch erkennen, dass es sich um Musiker handelte.
Hier war ich richtig. Ich drängelte mich an Ihnen vorbei und betrat den Backstagebereich, in dem sich noch mehr Musiker aufhielten, als draußen. Durch das Gedränge und das Stimmengewirr sah ich einen kleinen Tisch, an dem ein junger Spund saß, der wie ein Praktikant aussah. Er hatte eine lange Liste vor sich liegen und auf dem Tisch standen eine kleine Kiste und ein Schild, auf dem handschriftlich Anmeldung stand. Da also musste ich hin.
“Ich möchte eine Band anmelden.” sagte ich zu dem jungen Spund.
“Name?” fragte er.
“Petersen.”
Er blätterte seine Liste durch, Seite um Seite, was meinen Magennerven nicht gut tat.
“Hab ich hier nicht stehen.” sagte er und mein Albtraum wurde Wirklichkeit. Dieser fette Wichser hatte mich schon wieder angeschissen!
“Wieso das denn nicht?!” fuhr ich ihn an. “Ich hab vorhin noch mit diesem fett…mit dem Veranstalter telefoniert!”
“Da kann ich leider nichts machen.” sagte der junge Spund verängstigt.
“Er hat mir sogar eine Startnummer gegeben!”
“Eine Startnummer? Welche denn?”
“Moment.” sagte ich und versuchte, nachzudenken. Wieso konnte ich mich nicht erinnern, verdammt noch mal? Dieser scheiß Lärm hier.
“Dreizehn!” rief ich aus.
Der junge Spund blätterte wieder in seiner Liste.
“Tut mir leid.” wiederholte er. “Unter der Dreizehn steht nicht Petersen.”
“Das darf nicht wahr sein.” Kalter Schweiß lief mir den Rücken runter.
“Da steht Pinheads.”
“Was?”
“Pinheads.”
“Aber das ist doch meine Band!” schrie ich.
“Schreien Sie mich bitte nicht an.”
“Tut mir leid, ich bin nur furchtbar angespannt. Pinheads ist der Name meiner Band.”
“Und wieso haben Sie Petersen gesagt?”
“Das ist mein Name .” sagte ich gequält. “Ich bin so etwas wie der Manager der Band.”
“Aber die Band spielt nicht professionell, oder?”
“Nein, aber ich bin trotzdem der Manager.” sagte ich und musste fast lachen vor Erleichterung. Da hätte ich hier beinahe wegen einer sprachlichen Ungenauigkeit einen Kollaps bekommen.
“Soll ich Sie als verantwortlichen Manager eintragen?”
“Ja klar, warum nicht.” sagte ich und stütze mich keuchend auf die Tischplatte. Jetzt erstmal durchatmen.
“Also, Sie sind Startnummer Dreizehn.” begann er zu erklären. “Jeder Interpret trägt ein Lied vor. Performance, musikalische Umsetzung und Interpretation werden dann von einer fünfköpfigen Jury bewertet. Im Aufenthaltsraum im Backstagebereich können Sie sich auf den Auftritt vorbereiten. Wie viele Bandmitglieder?” fragte er und begann, in der kleinen Kiste auf dem Tisch zu wühlen.
“Ähm, vier.” sagte ich.
Er reichte mir vier rosafarbene Plastikbänder.
“Die bitte ums Handgelenk binden, sonst gibt es keinen Zutritt zur Bühne.”
“Alles klar.”
Ich steckte die Bänder ein und ging nach draußen, um tief durchzuatmen und mich zu beruhigen. Im Moment hatte ich den Herzschlag eines Kolibris.

Mark quetschte seinen Transit in eine Parklücke ganz in der Nähe, damit wir die Instrumente nicht zu weit zu schleppen brauchten. John musste seinen Mercedes etwas weiter weg parken, weil der Parkplatz schon ziemlich ausgelastet war. Der Talentwettbewerb war scheinbar eine richtig große Veranstaltung, viel größer, als ich sie mir vorgestellt hatte. Auch vor der Tür standen die Leute Schlange. Die halbe Stadt schien hier zu sein, der Saal würde proppevoll werden.
John, Tom, Hinnaak und der Dritte Mann kamen über den Parkplatz geschlendert und wir trafen uns bei Mark, der am Heck seines Transits lehnte und sich eine Fluppe anzündete.”So, da sind wir also wieder.” sagte Tom.
“Erinnert mich an den Film Still Crazy.” witzelte Hinnaak. “Was ist denn so alles seit unserem letzten Treffen passiert?”
“Ich hab Euch VIP-Bänder besorgt. Damit kommt Ihr auf die Bühne.” sagte ich und verteilte die Bänder an den Dritten Mann, Tom, John und Mark.
“Kriegen wir Getränke umsonst?” fragte Hinnaak.
“Keine Ahnung. Das ist doch nicht wichtig, Hinnaak.” sagte ich.
“Schon gut, vergiss es, da kommen nämlich unsere Ehrengäste.”
Mit diesen Worten ging er an mir vorbei und begrüßte Monika ausgiebig, die in Begleitung von Gisela aus einem dunklen Winkel des Parkplatzes auftauchte. Und hinter Gisela kam…
Marie.
Maries Anblick war wie ein Schlag in die Magengrube und ich hätte mich am liebsten hinter den Autos versteckt, wenn es nicht so albern gewesen wäre. Oder wenn sie mich nicht schon gesehen hätte. Marie musterte mich, bevor sie den Blick abwendete, ohne eine Reaktion zu zeigen. Das gab mir kein gutes Gefühl. Ein kleines Lächeln von ihr hätte mir geholfen. Ein Lächeln, das mir gezeigt hätte, dass sie meine Geschichte mit ihrer Schwester nicht mehr so schlimm fand wie noch vor ein paar Wochen. Konnte sie mir nicht einfach verzeihen und darüber wegsehen?
Gerade sah ich, wie Hinnaak von Monika abließ und den Dreien Karten zusteckte, die er aus der hinteren Tasche seiner Jeans zog.
“Was gibt er denen denn?” fragte ich den Dritten Mann.
“Hinnaak hat Eintrittskarten von irgendeinem Bekannten bekommen.” antwortete er.
Na, klasse. Da hatte der Typ nichts Besseres zu tun, als dafür zu sorgen, dass Marie hierherkam.
Scheiß Hinnaak.
Aber auf der anderen Seite konnte Marie so wenigstens sehen, was ich auf die Beine gestellt hatte. Sie stand ein paar Meter entfernt und würdigte mich keines Blickes, während alle anderen sich locker unterhielten. Alle, bis auf den Dritten Mann, der ein bisschen blass aussah. Vielleicht sollte ich mit ihr reden. Aber gekränkte Vorwürfe und verletzte Blicke kassieren wollte ich heute Abend nicht schon wieder. Wenigstens nicht vor dem Auftritt. Hinterher würde ich ja zu ihr gehen und sagen können, dass das meine Band war, die eben den Saal gerock hat. Mal sehen, ob sie dann immer noch meinte, ich hätte nicht mehr auf dem Kasten als Hinnaak.
Jetzt begannen Marie, Monika und Gisela, sich in Richtung Haupteingang in Bewegung zu setzen. Schließlich mussten sie sich noch in die Schlange stellen.
“Wir sollten langsam mal reingehen.” sagte ich. Die Band holte ihre Instrumente von der Ladefläche des Transits. Alle Gitarren und das Keyboard waren in speziellen Koffern verpackt. Nur Mark hatte leere Hände.
“Nimmst Du nichts mit?” fragte ich ihn.
“Nein, bei solchen Veranstaltungen stehen Drums auf der Bühne.” antwortete Mark. “Das Umbauen vor jedem Auftritt würde viel zu lange dauern.”
“Warum hast Du sie dann mitgenommen?”
“Als Glücksbringer, Mann. Wie ist es denn jetzt übrigens mit den Getränken? Ich finde, wir sollten frei saufen können. Wenn wir hier nämlich noch stundenlang rumstehen müssen, brauch ich was Flüssiges.”
“Da seggst Du wat.” bemerkte Hinnaak.
Wir gingen um die Hausecke und betraten den Backstagebereich, der sich etwas geleert hatte. Entweder hatten sich die Künstler besser verteilt oder ein Großteil vorhin waren Begleitpersonen gewesen, die jetzt verschwunden waren. Auf dem Weg passte ich Hinnaak ab.
“Wieso zum Teufel hast Du Marie hier freien Eintritt verschafft?” fragte ich ihn.
“Entspann Dich. Freust Du Dich nicht sie zu sehen?”
“Wie Du Dir wahrscheinlich nicht denken kannst, nicht! Das macht mich eher nervös und sie hasst mich. Das sind keine guten Vibes, um mal bei Still Crazy zu bleiben.”
“Ach Quatsch. Moni hat mir erzählt, dass Gisi erzählt hat, dass Marie erzählt hat, wie gern sie Dich noch hat und dass sie ständig an Dich denken muss. Sie hasst es nur, Dich immer noch zu lieben, schon mal drüber nachgedacht?”
Darauf hatte ich ja Bock. Hörensagen aus vierter Hand und darauf sollte ich was geben? War ich noch in der siebten Klasse?
Wir kamen am Tisch der Anmeldung vorbei, wo der junge Spund noch immer viel zu tun hatte. Hinnaak stürzte sich auf ihn.
“Sind hier die Getränke umsonst?” fragte er
“Verpflegungen für die Interpreten stehen im Aufenthaltsraum.” antwortete der junge Spund.
“Nur für die Musiker oder auch für die Angehörigen der Band?” fragte Hinnaak weiter, was mir langsam unangenehm wurde.
“Außer den Teilnehmern hat niemand Zutritt zur Bühne oder dem Aufenthaltsraum.”
“Na ja, wir gehören ja dazu.” meinte Hinnaak und fingerte zwei weitere von den rosa Bändern aus der Kiste. Das war dem jungen Spund offensichtlich nicht recht, aber er wagte nicht zu widersprechen. Hinnaak lief zur Band zurück, um allen die freudige Kunde kostenloser Getränke zu überbringen.

Der Aufenthaltsraum war proppenvoll. Dutzende Musiker oder solche, die sich dafür hielten, versuchten, sich vorzubereiten. Das bedeutete, dass sie auf ihren Gitarren klimperten, vor sich hin murmelten oder eine Kippe nach der anderen rauchten.
Die Luft biss mir in die Augen und in die Lunge. Die beiden großen Fenster waren kategorisch verschlossen, was ich erstmal änderte.
“Auf die Getränke!” schrie Mark, als er einen langen Tisch mit Getränkekisten erblickte. “Was ist das denn?” fragte er dann enttäuscht, als er davor stand. “Saft, Limo, Cola, Wasser? Wo ist denn hier der Whisky, der harte Stoff?”
“Seid Ihr die Rolling Stones?” sagte ich. “Nimm einen schönen Birnensaft, der ist gut für Deine Birne.”
“Dann möchte ich doch lieber einen Eierlikör.” sagte Hinnaak und alle lachten.
Wir prosteten uns zu und tranken auf einen geilen Abend.
Dann setzten wir uns in eine freie Sitzgruppe und Tom holte seine Bassgitarre raus.
“Stimm Deine lieber auch noch mal.” sagte er zum Dritten Mann.
“Ach ja.” sagte er und öffnete den Gitarrenkoffer.
Er wirkte etwas zerstreut, aber ich war mir sicher, dass er es packen würde.
Ich fühlte mich komisch. Marie schwirrte mir viel zu viel im Kopf herum. Dazu kam Nervosität, eine Art Lampenfieber. Obwohl ich nicht derjenige war, der auf die Bühne gehen musste, konnte ich nachempfinden, wie die Jungs sich fühlen mussten, obwohl Tom, John und Mark ganz locker aussahen und scherzten.
Plötzlich ertönte eine laute Mikrofonstimme, die aus der Halle drang. Es war der fette Obermaier, ich erkannte ihn sofort. Er betätigte sich als Moderator und eröffnete den großen Talentwettbewerb, wobei er die Preise, die es zu gewinnen gab und seinen Firmennamen nicht unerwähnt ließ. Danach kündigte er die erste Band an und verschwand von der Bühne.
Nach ein paar Sekunden Stille hörte man jemanden ins Mikrofon brüllen.
Wir sind die Warlords!
Ein ziemlich hässlicher Cover von The Ace of Spades erklang, der mir Gänsehaut machte.
Um mir unsere Konkurrenz mal genauer anzusehen, ging ich zum Zuschauerraum. Mit jedem Schritt wurde es lauter und als ich den Saal betrat, stolperte ich in eine ohrenbetäubende Lautstärke hinein, was an meiner Nähe zur Bühne lag. Ich ging ein paar Schritte den Saal hinunter und sah mich um. Die Stadthalle war heute komplett anders dekoriert als bei meinem letzten Besuch, der 80er Jahre Party, nach der ich mein ganzes Leben versaut und die Toilette runtergespült hatte. Heute sah es viel flippiger und nach richtiger Disco aus. Die Stirnseite wurde von einer gewaltigen Bühne dominiert, auf der die Warlords jetzt so richtig loslegten, was sich für mich alles in allem ziemlich schräg anhörte. Ein sehr dünner blonder Typ in Lederklamotten krümmte sich so vor dem Mikro, dass ich lachen musste.
Es dauerte Gott sei Dank nicht lange, bis sie fertig waren. Jeder Interpret spielte ja sowieso nur ein Lied. Nachdem der letzte Akkord ausgeklungen war und die Zuschauer noch etwas verhalten applaudierten, verließ die Band aber die Bühne noch nicht, sondern sie stand etwas ratlos umher. Die Bandmitglieder sahen zur Seite der Bühne hinüber, wo ein langer Tisch stand, an dem fünf Leute saßen. Die Jury, wie mir einfiel. Ganz links saß der fette Obermaier, neben ihm zwei weitere Kerle und zwei Frauen, die vermutlich alle im Musikbusiness waren. Der fette Wichser in der Jury? Hoffentlich war das kein schlechtes Omen.
Sie hielten jeder ein Schild hoch und informierten die Künstler und die Zuschauer auf diese Weise über die Benotung, die sie nach kurzer Beratung vergaben. Dreimal sah ich eine Vier, zweimal eine Fünf, was bei einer Höchstpunktzahl von zehn pro Person nicht gerade toll war. Mit einer Mischung aus Enttäuschung wegen der niedrigen Punktzahl und Stolz, weil sie ihren Auftritt absolviert hatten, verließen die Warlords die Bühne und machten Platz für eine vierköpfige Band. Wie ich sah, blieben die Drums tatsächlich an Ort und Stelle stehen und die jeweiligen Bands brachten nur ihre Gitarren oder sonstige Instrumente mit auf die Bühne. Mark hatte also recht gehabt.
Ich ging wieder nach hinten und gesellte mich zu meiner Band, die sich über die Musik unterhielt, die sie gerade gehört hatte. Das war nur in einem etwas lauteren Ton möglich, weil die Musik der neuen Band auch hier hinten ziemlich laut war.
Ich berichtete von meinen Beobachtungen.
“Willst Du Dir die Drums mal angucken, falls sie nicht wie Deine sind?” fragte ich Mark. Der winkte verächtlich ab.
“Mit meinen Drumsticks kann ich auch auf einer Mülltonne trommeln.” meinte er.
“Ja, das stimmt, das kann er.” stimmte John zu. “Er hat mal eine Horde Professoren in Rage gebracht, als er das vor deren Aufenthaltsraum gemacht hat.”
Mark grinste, als er sich daran erinnerte. Seitdem es im Ü-Raum zwischen ihnen geknallt hatte, kamen sie jetzt ziemlich gut miteinander aus. Als hätten sie durch dieses reinigende Gewitter jetzt mehr Respekt voreinander. Tom lachte ebenfalls über die Geschichte; alle wirkten auf mich sehr entspannt, nur der Dritte Mann saß daneben und spielte geistesabwesend auf seiner Gitarre.
Ich hielt das Rumsitzen nicht aus und ging wieder nach vorne zur Bühne, um mir die Konkurrenz anzusehen.
Die nächste Gruppe spielte eine Art Seifenpop, zu der ein junger Mann mit der Stimme eines Kastraten sang.
Fand ich nicht besonders gut, und das sahen die Juroren ähnlich, die im Durchschnitt eine Vier vergaben.
Eigentlich fand ich keine der folgenden Bands besonders berauschend, einige erinnerten mich an Schülerbands, die zwar nicht schlecht mit ihren Instrumenten umgehen konnten, denen man aber das Gefühl in dem Lied nicht abnahm, weil es zu einstudiert wirkte. Es war sogar ein Schlagersänger darunter, der auf Guildo Horn machte. Er gab sich zwar alle Mühe, brachte es dennoch nur zu einer Drei. Erst mit der Startnummer zehn kam dann zum ersten Mal eine Band, die wirklich überzeugend war. Sie nannten sich Chaos Theory. Der Sound war klasse und der Leadsänger machte mit seiner Reibeisenstimme richtig Stimmung in der Halle. Das Publikum applaudierte am Ende begeistert.
Die Punktrichter berieten sich kurz und gaben dann ihre Urteile bekannt. Auf drei Schildern stand eine Acht, auf zwei Schildern eine Neun. Mit Abstand die Besten bis jetzt. Ich fand es gerechtfertigt. Mir wurde aber klar, dass wir es nun umso schwerer haben würden.
Die nächste Startnummer betrat die Bühne. Eine schlechte Mädchenband die…keine Ahnung, was die sangen, weil sie viel zu laut in die Mikros kreischten. Ich hatte den Eindruck, hier waren ein paar, die noch nie auf einer Bühne gestanden hatten und das aus Bock mal machen wollten. Warum hatte Obermaier seinen Scheiß nicht mit denen abgezogen? Dann wären sie in eine Karaokebar gegangen, hätten gemerkt, dass sie scheiße sind und den Auftritt abgeblasen.
Da mir die Musik alles andere als zusagte und weil bald der letzte Teilnehmer vor uns auf die Bühne kommen würde, ging ich zur Band zurück.
“Seid Ihr bereit?” sagte ich. “Es ist bald soweit.”
“Alles klar.” sagten alle bis auf den Dritten Mann, der noch immer dasaß und nervös auf seiner Gitarre spielte.
Mark, John und Tom standen auf. John packte sein Keyboard aus und befestigte es am Ständer, während Tom sich seine Bassgitarre umschnallte.
Der Dritte Mann sah zu mir hoch. Erst jetzt stellte ich fest, dass er kreidebleich war. Sofort wusste ich, was los war. Er hatte wieder Lampenfieber.
Aber wer konnte es ihm verdenken? Auch wenn ich da oben viele Musiker erlebt hatte, die wirklich schlecht gewesen waren, konnte ich ihnen nicht meinen totalen Respekt absprechen, dass sie den Mumm gehabt hatten, sich auf die Bühne zu stellen. Die anderen Mitglieder meiner Band verfügten ja bereits über reichlich Live-Erfahrung, der Dritte Mann aber hatte noch nie vor so großem Publikum gespielt, und gleich beim ersten Mal hatte er die wichtige Rolle der Vocals und der Leadgitarre inne. Abgesehen davon würde er ein selbst komponiertes Stück spielen, was noch ein psychologisches Problem war. Einen Megahit zu covern, wäre ihm wahrscheinlich leichter gefallen.
“Bist Du nervös?” fragte ich ihn, während die anderen zum Bühnenaufgang hinübergingen.
“Total.” sagte er und zupfte mit bebenden Fingern an den Saiten herum. “Ich glaub, ich pack das nicht.”
“Darüber haben wir doch schon gesprochen. Natürlich packst Du es.” sagte ich beruhigend zu ihm. “Stell Dir einfach vor, die Frau, um die es in dem Lied geht, ist hier und kann es hören. Hat doch letztes Mal auch funktioniert.”
“Ja, aber diesmal funktioniert das nicht.” meinte der Dritte Mann nachdrücklich.
“Und wieso nicht?”
“Weil sie wirklich hier ist und es hören kann.” sagte er verzweifelt.
“Ach, echt?” fragte ich erstaunt. “Wer ist es denn?”
“Das macht mich total nervös.” ignorierte der Dritte Mann meine Frage. “Was ist, wenn ich es jetzt versaue? Die ganze Band wird mich hassen und die ganze Stadt wird über uns lachen.”
Hinnaak kam herbeigestürzt.
“Was ist los?” fragte er aufgebracht und fuchtelte mit den Armen herum. “Band Nummer zwölf spielt schon. Wir sind die nächsten.”
“Der Dritte Mann hat Lampenfieber.” sagte ich zu Hinnaak.
“Lampenfieber? Was soll das sein? Hab ich nie verstanden.” antwortete Hinnaak. “Sag ihm, er soll einfach rausgehen und es spielen. Wo ist das Problem?”
“Genau das ist sein Problem. Er denkt, er kann es nicht.”
“Er kann es nicht? Was soll das für ein Blödsinn sein? Er hat es doch stunden- und tagelang geübt. Natürlich kann er es.”
“Aber er ist halt nervös, so ist das bei Lampenfieber.” sagte ich aufgebracht.
“Ach, Quatsch! Das ist nur, weil Du ihn immer so bemuttert und alles gelobt hast, was er gemacht hat.”
Ich, also hab ich alles mit ihm falsch gemacht, ja?”
“Nicht alles, aber wenn Du ihn mal ein bisschen kritisiert hättest, dann würde er jetzt auch damit klarkommen!” rief Hinnaak.
Die schrägen Schlussakkorde der zwölften Band erklangen und um meinen Magen legte sich ein eisernes Band. Allmählich wurde es Zeit und Hinnaak stritt mit mir sinnlos herum. Das half dem Dritten Mann bestimmt nicht.
“Und was hättest Du gemacht?” fragte ich ihn vorwurfsvoll. “Ihn in den Puff mitgenommen?!”
“Nicht unbedingt in den Puff. Aber ich hätte ihn an die eine oder andere vermittelt, die einen Mann aus ihm gemacht hätte. Dann wäre er jetzt nicht so verweichlicht wie Du, Dörte.”
“Verweichlicht? Du meinst, es wäre besser gewesen, aus ihm einen alles Ficker zu machen, so wie Du, Hinnaak?”
“Meinst Du, Mick Jagger war im Kloster?”
“Was soll denn das hier sein?!” rief jemand aufgebracht. Verwirrt sah ich zur Seite und bemerkte, dass der Dritte Mann aufgestanden war und uns sauer anstarrte. “Bin ich Euer Erziehungsprojekt oder was? Was denkt Ihr eigentlich?! Dass ich nichts alleine kann?! Ich bin weder so ein verweichlichter Verweigerer wie Du, Dörte, der seine Frauenprobleme nicht geregelt kriegt, noch so ein ralliger Pavian wie Du, Hinnaak, der Frauen wie Gebrauchsgegenstände behandelt und dann die Toilette runterspült. Falls Ihr es noch nicht bemerkt habt, ich bin Peter Stumpfkowski und das werd ich Euch jetzt zeigen!”
Nach dieser Brandrede, die Hinnaak und mich mit offenem Mund dastehen ließ, wandte Peter sich ab und marschierte mit seiner Gitarre, die er sich auf dem Weg umschnallte, zur Bühne, wo seine Band bereits auf ihn wartete.
Hinnaak und ich sahen ihm nach.
“Wir haben aus ihm einen Mann gemacht.” sagte Hinnaak.
“Ich bin so stolz auf ihn.” meinte ich.

Hinnaak und ich waren nach vorne in den Saal gegangen, um den Auftritt sehen zu können. Die Band betrat die Bühne und der obligatorische, höfliche Anfangsapplaus ertönte. Einen kurzen Moment herrschte Ruhe, als Peter und Tom ihre Gitarren einstöpselten und Mark sein Keyboard aufbaute. Mark setzte sich hinter die Drums und holte seine Sticks aus der Innentasche seiner Jacke. Mit kurzen Blickkontakten vergewisserte er sich, dass die anderen bereit waren, gab dann mit den Drumsticks vier vor und Peter fing an, sein Intro zu spielen.
Von dem Moment an wusste ich, das war ein Hit. Die Band spielte aufeinander abgestimmt wie ein Uhrwerk, perfekt und präzise. Viel besser noch als im Ü-Raum. Die Gitarren brachten genau die richtige, gefühlvolle Stimmung auf, um die es in dem Lied ging, und während ich bei anderen Interpreten vorher gemeint hatte, sie würden nur mechanisch mit ihren Instrumenten arbeiten, hatte ich bei Peters Band einen ganz anderen Eindruck. Sie gingen in ihrer Musik auf wie wirkliche Künstler, und Peters Auftritt erinnerte mich an etwas.
Vor ein paar Jahren war ich auf einem Konzert von Bruce Springsteen gewesen, und ich hatte mich gefragt, wieso man ihn den Boss nannte. Als ich ihn dann spielen sah, seine Präsenz und seine Art, mit seiner Band zu kommunizieren, verstand ich es und Peter wirkte auf der Bühne genauso, alles im Griff, alles unter Kontrolle. Er war der Boss.
Es klang einfach geil, und als Peter das erste mal den Refrain sang, sah ich Marie in der Menge stehen. Peters Lied berührte mich, ich wollte Marie in die Arme nehmen, sie küssen und festhalten. Mein Herz verspürte eine rasende Sehnsucht nach ihr und sie wurde angefacht durch das Lied. Ich liebte sie immer noch so sehr. Marie musste meinen Blick wohl bemerkt haben. Auch sie schaute mich an, sah mich lange an. Ich konnte in ihren Augen nichts lesen, gar nichts.
Als sie ihren Blick schließlich abwandte und ich mich wieder zur Band umdrehte, fühlte ich mich traurig und leer.

*

Das Lied, das Micks Band spielte, hörte sich fantastisch an. Zu den anderen Interpreten, die bisher aufgetreten waren ein Unterschied wie Tag und Nacht. Marie glaubte, einen Hit zu hören.
Dann sah sie Mick und sie spürte einen Stich im Herzen. Etwas in ihr wollte zu ihm gehen, aber der überwiegende Teil konnte die Tatsache nicht vergessen, dass er sie belogen hatte. Das konnte sie nicht verzeihen, unmöglich. Auch wenn sie es noch so sehr wollte.
Ihre Blicke begegneten sich und machten es Marie nicht leichter. Schließlich drehte sie sich wieder weg und sah der Band zu. Das Lied handelte ebenfalls von Liebe und Entbehrung und sprach ihr aus dem Herzen. Der Frontmann spielte eine klare und sichere Gitarre und stand so routiniert vor dem Mikrofon, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Sein Gesicht kam ihr bekannt vor.
Schon während die Schlussakkorde erklangen, brandete tosender Applaus auf. Dem Publikum hatte das Lied und die Performance sehr gefallen. Während bei sämtlichen Vorgängern die Ovationen schon nach kurzer Zeit abgeebbt waren, dauerte der Applaus diesmal mehrere Minuten, während sich die Jury intensiver als vorher beriet.
Der Frontmann der Band wirkte ein bisschen beschämt wegen des gewaltigen Jubels, die anderen waren zufrieden, umarmten sich auf der Bühne und klopften sich auf die Schultern.
Ein Teil des Publikums applaudierte noch, als vier der Jurymitglieder die Schilder mit der Punktzahl hochhielten. Als alle im Saal das Urteil sahen, brandete der Applaus wieder auf.
Auf allen vier Schildern stand eine Zehn.
Nur der Kerl ganz links, ein grobschlächtiger Typ, zögerte und guckte missmutig drein. Dann gab er sich jedoch einen Ruck und zeigte auch seine Benotung: Zehn.
Perfekte Punktzahl.
Das schien keiner erwartet zu haben. Hatte die Band zunächst noch ungläubig zur Jury hinübergestarrt, fielen sie sich jetzt begeistert um den Hals. Der Drummer packte den Keyboarder und hob ihn hoch, was alle anderen zum Lachen brachte.
Die Zuschauer riefen nach einer Zugabe und der Frontmann mit der Gitarre verbeugte sich vor der Menge. Sie sah Mick und seinen Mitbewohner Erik, die sich lachend in den Armen lagen. Von Erik wusste Marie, dass Mick die Band zusammengebracht und den Auftritt trotz schwerster Widrigkeiten organisiert hatte. Das fand sie zwar verblüffend, aber sie wusste schon vorher, dass in Mick gewaltige kreative Energien steckten. Sonst hätte er das mit der Schatzsuche gar nicht hinbekommen. Und das war das Süßeste gewesen, was je ein Mann für sie getan hatte. Allein nur dafür hätte sie Mick liebend gerne verziehen. Aber dass er was mit ihrer Schwester gehabt hatte, konnte sie nicht verdrängen. Das wog einfach zu schwer.
Gerade als sie daran dachte, kam Gisela an ihr vorbei. Sie trank mal wieder mehr, als gut für sie war. Marie fiel etwas ein.
“Der Kerl auf der Bühne. War der nicht auf Deiner Geburtstagsparty?” fragte Marie ihre Schwester.
“Ja, und da wusste ich nicht einmal, dass er so cool Gitarre spielen kann.” sagte Gisela mit leuchtenden Augen.
“Hast Du mit dem nicht rumgemacht, als Mick verschwunden war?”
“Stimmt. Eigentlich wollte ich Mick damit nur eifersüchtig machen. Aber es hat nicht funktioniert. Er ist schon ein harter Brocken. Erst hat das mit den Schuldgefühlen nicht funktioniert und dann das mit der Eifersucht auch nicht.”
“Wie meinst Du das?” fragte Marie. Die Band verließ unter andauerndem Applaus die Bühne und verschwand im Backstagebereich.
“Ich muss schon sagen, ich war ein bisschen neidisch, weil er so auf Dich abgefahren ist und bei mir hat er sich als so ein Eisblock entpuppt.”
“Könntest Du ein bisschen präziser werden?” fragte Marie ungeduldig.
“In dieser Nacht nach der 80er Jahre Party war ich mit ihm zusammen.” erklärte Gisela. “Wir sind ins Bett gegangen und ich hab ein bisschen an ihm rumgemacht. Dann bin ich mir ein Gummi holen gegangen und als ich zurückkam, war er eingepennt. Ich hab ihn nicht mehr wachgekriegt.”
“Wie bitte? Das war alles?!”
“Ja. Ist ein beschissenes Gefühl, wenn Dir ein Kerl schon vorher einfach so einpennt. Aber wenigstens konnte er sich am nächsten Morgen daran nicht mehr erinnern. Wäre mir peinlich gewesen.”
“Oh mein Gott!” sagte Marie.
“Ja, ich weiß ja, was Du davon hältst, aber ich lebe eben nicht in den Fünfziger Jahren so wie Du. Ich will einfach nur Spaß haben.”
“Dann ist also gar nichts passiert?” fragte Marie fassungslos
“Hab ich doch grade gesagt, oder? Ich hab versucht, ihm Schuldgefühle zu machen, weil er mich nach unserer Nacht sitzen gelassen hat und so weiter. Du hast mir schließlich immer gepredigt, dass so was nicht geht. Normalerweise war mir das immer egal. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich mich in Mick verknallen würde.”

Eine ganze Weile hatte er nach ihr gesucht. Als endlich diese Liebesschnulze, die zu allem Überfluss auch noch die volle Punktzahl abräumte, vorbei war, entdeckte er ihre Schwester. Er glaubte allmählich, dass es ein Fehler gewesen war, sich auf Marie zu konzentrieren, denn Gisela war angeblich viel leichter ins Bett zu kriegen. Dennoch, Marie war ein lohnenderes Ziel gewesen. Sie besaß viel mehr Klasse. Mit so einer hätten die Jungs ihm noch nach Monaten bewundernde Blicke zugeworfen. Aber leider sollte es nicht sein. Noch nicht. Sie meinte zwar, sie wollte ihn nicht wiedersehen, aber damit gab er sich nicht zufrieden. Er gab sich nie mit irgendetwas zufrieden, was er nicht zu Ende gebracht hatte.
Da war sie ja. Sie unterhielt sich mit ihrer Schwester und sah geschockt aus. So als hätte sie einen Lottoschein weggeworfen und gerade erfahren, dass da sechs Richtige drauf waren. Jetzt ließ sie ihre Schwester stehen und setzte sich in Richtung Bühne in Bewegung.
In ihrem offenbar angeschlagenen Zustand sah er seine Chance, bei ihr was zu bewegen.

In Maries Kopf überschlugen sich die Gedanken. Mick hatte gar nichts mit ihrer Schwester gehabt. Das hatte er nur geglaubt, weil er sich an nichts mehr erinnern konnte!
Und sie war zu verletzt, zu stolz und zu blöd gewesen, um Gisela einmal selbst zu fragen, was passiert war.
Dafür konnte sie sich ohrfeigen. Sie würde sofort mit Mick darüber sprechen müssen. Es war alles nur ein Missverständnis gewesen.
Sie setzte sich in Richtung Bühne in Bewegung, wo Mick noch mit Erik stand, als sie jemand plötzlich am Ellenbogen festhielt.
“Hey Marie. Schön Dich zu sehen.” sagte Axel.
“Was willst Du denn? Ich hab keine Zeit.” erwiderte sie genervt.
“So eine schöne Frau ganz allein? Du siehst aus, als würdest Du Gesellschaft brauchen.”
“Bestimmt nicht Deine. Sieh es endlich ein, es ist vorbei. Lass mich in Ruhe.”
Damit drehte sie sich weg und wollte weitergehen, aber Axels Griff wurde stärker und riss sie schmerzhaft zurück.

*

Ich war hin und weg. Die Pinheads hatten perfekt gespielt und die höchstmögliche Punktzahl bekommen, es war einfach zu geil. Mittlerweile hatte ich alle Bandmitglieder am Bühnenrand abgeklatscht und sogar Hinnaak vor Begeisterung hochgehoben. Der Applaus nahm kein Ende und ein Rausch von Dopamin schoss durch meinen Körper. Alles war fantastisch, es war der großartigste Moment meines ganzen Lebens.
Die Band ging von der Bühne und ich ließ meinen Blick über die begeisterten Zuschauer gleiten, einmal rundherum, bis er bei Marie hängen blieb.
Sie redete mit jemandem. Er hielt sie am Ellenbogen fest, was ihr offensichtlich missfiel.
Ich erkannte ihn sofort wieder, auch wenn ich sein fieses Grinsen seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Es war Axel, der Schubser. Mein persönlicher Lex Luthor. Das größte Arschloch, dem ich je begegnet war. Durch und durch ein Wichser, selbst als Kind schon. Ihn so unverhofft wiederzusehen war wie ein Schlag in die Magengrube. Wieso redete Marie mit diesem Kerl? Ich sah, wie sie sich abwenden wollte und er sie weiter festhielt. Ein schmerzhafter Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht. Sie sagte etwas zu ihm, das ihn offensichtlich beleidigte und als sie sich losriss, gab er ihr einen Stoß, dass sie ins Stolpern geriet und auf den Parkettboden stürzte.
Da hielt mich nichts mehr. Ich stürzte auf ihn zu.
“Hey Du, lass Deine verdammten Drecksfinger von ihr!” schrie ich und rasend vor Wut packte ihn am Kragen. Ich sah Marie auf dem Boden sitzen und ihren Arm befühlen und holte aus, um Axel dem Schubser den Kinnhaken zu verpassen, der seit dem Kindergarten fällig war, aber Axel löste sich mit einer gewandten Drehung aus meinem Griff und duckte sich unter dem Schlag weg. Im selben Moment traf mich sein Schwinger in die Magengrube, dass ich dachte, mich hätte ein Pferd getreten und es verschlug mir den Atem. Sein nächster Schlag traf mich an der Schläfe und nahm mir beinahe alle Sinne. Als ich zu Boden ging, nahm ich halb wahr, wie Hinnaak angerannt kam und Axel davon abhielt, mir noch einen Schlag zu verpassen.
“Was hast Du denn für ein Problem?!” schrie Hinnaak ihn an und holte zu einem Schlag aus, den Axel mit dem Ellenbogen abblockte und Hinnaak mit der Faust gezielt auf den Solarplexus schlug. Axel sah lässig grinsend zu, wie Hinnaak in sich zusammenfiel. Er landete direkt vor den Füßen von Peter, der auf ihn herabsah und dann einen Schritt über ihn hinweg machte.
“Hältst Du Dich für van Damme oder was?” fragte Peter, als er vor Axel stand, und ohne mit der Wimper zu zucken trat Peter ihm mit Vollspann in die Eier, als wäre er der letzte Elfmeterschütze im WM-Finale. Axels Grinsen war wie weggewischt und sein Gesicht wurde kreidebleich. Er fiel auf die Knie und krümmte sich.
Peter drehte sich zu uns um.
“Alles klar bei Euch?” fragte er. “Was habt Ihr denn hier gemacht?”
“Das war leider notwendig.” versuchte ich so deutlich wie möglich zu sagen.
Als ich mich aufsetzen wollte, spürte ich, wie mich jemand behutsam festhielt. Marie hatte sich neben mich gekniet und lächelte mich an.
“Mach langsam.” sagte sie. Ich lächelte zurück, weil die gemischten Gefühle der Peinlichkeit, zu Boden gegangen zu sein und der Überwältigung, Marie plötzlich wieder neben mir zu haben, mir alle Worte raubten. Außerdem drehte sich mir noch alles.
Um uns herum hatte sich eine weite Lichtung gebildet, denn alle Zuschauer im näheren Umkreis verdünnisierten sich. Weiter vorne bekam man offenbar nichts mit, denn die Musik setzte wieder ein, als die nächste Band die Bühne betrat.
Peter wollte mir ebenfalls aufhelfen, als er plötzlich von hinten gepackt wurde.
Drei Sicherheitskräfte waren aufgetaucht, alle muskelbepackt wie Holzfäller und einer von ihnen hatte Peter in einen Polizeigriff genommen.
“Du willst hier Ärger machen?!” brüllte der Securitymann.
“Der hat meine Freunde angegriffen.” verteidigte sich Peter.
“Wer?” fragte der Holzfäller. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass Axel nicht mehr da war.
Monika kam zu Hinnaak gestürzt, der noch immer schwer atmend am Boden lag. Auch meine Eingeweide fühlten sich an wie in der schnellsten Achterbahn der Welt und mein Kopf dröhnte.
“Warte mal.” sagte jetzt einer von den Sicherheitsleuten. “Du bist doch grade eben aufgetreten, oder nicht?”
“Ja, richtig. Und?” ächzte Peter, dem der Griff zunehmend unangenehmer wurde.
“Dann melden wir mal der Wettkampfleitung, dass Du hier Ärger gemacht hast.”
Damit führten sie ihn weg, wobei er wegen des Haltegriffs nur halbherzig protestierte.
Das alles war so schnell gegangen, dass ich keine Möglichkeit sah, was zu sagen.
“Das hättest Du nicht machen müssen.” sagte Marie leise.
“Aber er hat Dich geschubst.” antwortete ich und drehte mich um.
“Kann ja wohl nicht wahr sein.” sagte Hinnaak. “Da dreh ich mich nur mal kurz um und schon greift er den Bezirksmeister im Kickboxen an.”
“Was? Kickboxen? Der?” fragte ich erstaunt. “Das wusste ich ja gar nicht.”
“Du liest in Deinem Blatt ja auch nur den unwichtigen politischen Teil.” meinte Hinnaak, der inzwischen wieder aufrecht saß und sich den Brustkorb rieb.
“Passt aber irgendwie zu ihm.” meinte ich und stand stöhnend auf. “Wir müssen zu Peter.”
Ich lief so eilig, wie mein Zustand es erlaubte, zurück in den Backstagebereich.
“Lasst ihn doch gehen. Er hat recht, wir sind angegriffen worden.” sagte ich zu den Holzfällern.
“Von wem denn? Von Hui Buh?” kam die bissige Frage.
“Nein, der Kerl heißt Axel. Er hat sich scheinbar aus dem Staub gemacht.”
“Also gibt es keinen Zeugen.”
“Es gibt keinen Kläger!”
“Doch, uns. Und wir haben die strikte Anweisung, alles sofort zu melden.”
“Und das ist auch gut so.” vernahm ich eine mir sehr bekannte Stimme, die gerade den Raum betrat. “Hier ist kein Platz für Schlägereien.”
“Wir sind angegriffen worden.” verteidigte ich mich.
“Das entspricht ja wohl nicht ganz den Tatsachen.” sagte der fette Obermaier. “Das Sicherheitspersonal hat beobachtet, wie Du auf einen der Gäste losgegangen bist.”
Das stimmte ja sogar. Irgendwie hatte ich das verdrängt.
Hinnaak und die anderen Bandmitglieder betraten den Raum.
“Aber lassen Sie ihn aus dem Spiel, das war meine Angelegenheit.” flehte ich Obermaier an. Schon wieder war ich seiner Gunst ausgeliefert. Nahm das nie ein Ende?
“Na schön.” sagte er. “Ich lass Deinen Freund aus dem Spiel.”
“Gott sei Dank.” sagte ich erleichtert. “Dann können Sie mit mir machen, was Sie wollen.”
“Prima.” meinte er. “Denn in der Anmeldung steht, dass Du als verantwortlicher Manager Deiner Band hier bist. Wärest Du ein normaler Zuschauer, wäre es was anderes, aber so habe ich keine andere Möglichkeit, als Deine Band vom laufenden Wettbewerb zu disqualifizieren.”
Dieser Schock saß tief.
“Warten Sie mal.” sagte einer der Securityleute. “Wir sollten nicht zu vorschnell urteilen. Vielleicht können wir Leute befragen.”
“Was wir können und was nicht, entscheide ich. Machen Sie nur Ihren Job.” sagte Obermaier und verließ den Raum.
Hilflos sah ich erst ihm hinterher und dann zu den anderen Bandmitgliedern hinüber, die dazugekommen waren und die letzten Worte mitbekommen hatten. Es befanden sich noch andere Musiker im Raum, die auf ihren Auftritt warteten. Da sie die Vorgeschichte nicht kannten, sahen sie ziemlich verwirrt aus.
Einer der Kleiderschränke trat auf uns zu.
“Da Ihr am laufenden Wettbewerb nicht mehr teilnehmt, habt Ihr keinen Zutritt zum Backstagebereich mehr. Packt Eure Sachen und verschwindet.”
Ernüchterung machte sich in mir breit. Die Band hatte in den letzten Tagen so hart gearbeitet und durch meine Schuld war das alles umsonst gewesen.
Mir war zum Heulen.
Peter, Tom, John, Mark und Hinnaak standen herum und guckten betont nichtssagend aus der Wäsche.
“Kann ich wenigstens mein Bier noch austrinken?” fragte Mark lässig.
“Das wollte ich auch grade fragen.” sagte Hinnaak.
“Das könnt Ihr im Rausgehen machen.”
Mit Argusaugen beobachteten die Wachleute, wie Peter, John und Tom ihre Instrumente zusammensuchten und sie zu dem Seiteneingang trugen, vor dem noch ein paar Musiker herumstanden und rauchten.
Schweigend trugen wir die Instrumente zu Marks Transit.
“Ich hab Wettbewerbe noch nie leiden können.” meinte John plötzlich. “Die beweisen überhaupt nichts und sagen noch weniger über die Qualität der Teilnehmer aus. Trotzdem waren wir hier die Allerbesten. Das ist ja wohl klar.”
Alle stimmten zu. Kein Vorwurf. Keine schlechte Laune. Mir wurde wieder ein bisschen leichter ums Herz.
“Tut mir trotzdem leid, dass wir rausgeflogen sind.” sagte ich. “Ich hoffe, Ihr seid nicht sauer auf mich.”
“Machst Du Witze?” fragte Mark. “Ich hätte dem Kerl selber eine reingehauen, wenn ich beide Hände freigehabt hätte.”
“Klar Mann.” sagte Tom. “Rock am Ring wäre zwar cool gewesen, aber mehr als dieses eine Lied haben wir ja im Moment noch gar nicht. Das Wichtigste ist, dass wir herausgefunden haben, dass wir gut sind und dass unsere Musik den Leuten gefällt.”
Alle nickten zustimmend und Mark schloss die Tür seines Transits auf.
“Gefällt mir übrigens, wir Du Dein Lampenfieber überwunden hast.” sagte ich zu Peter.
“Na ja, ich dachte mir < Pfeif' drauf >.”
“Da seid Ihr ja!” hörte ich eine Frauenstimme rufen. Es war Monika, die mit Tippelschritten angerannt kam. Es folgten ihr Gisela und Marie. Zu Hinnaak fragte sie besorgt “Geht’s wieder?”, was er mit “Ja ja” beantwortete. Die anderen fragte sie “Was ist da im Hinterzimmer passiert? Haben die Euch vermöbelt?”
“Quatsch. Wir haben die vermöbelt. Ich hab fünf mal Karate Kid gesehen.” meinte Peter.
“Wir sind leider disqualifiziert worden.” sagte ich, wonach die drei Mädels ein betroffeneres Gesicht machten als die Bandmitglieder selbst.
“Das ist ja scheiße. Ihr wart echt geil!” rief Gisela. “Vor allem Du, Peter.”
“Danke.” meinte er und stellte den Koffer mit seiner Gitarre in den Transit. “Das Lied hab ich übrigens für Dich geschrieben.”
Das haute mich ja aus den Latschen. War das derselbe unsichere Typ, mit dem ich das letzte halbe Jahr zusammengelebt und der jedes Mal gefragt hatte, ob er den Rest Milch haben durfte, obwohl er genauso viel dafür bezahlte wie Hinnaak und ich?
Gisela wurde rot.
“Wirklich?”
“Ja. Nach Deinem Geburtstag bist Du mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen.”
Das quittierten Mark, Tom und John mit einem Grinsen, während sie betont konzentriert ihre Instrumente auf der Ladefläche des Transits verstauten. Marie nutzte die Gelegenheit, mich am Arm zu fassen und mich ein Stückchen Abseits zu ziehen.

“Ihr seid disqualifiziert worden?” fragte sie mitfühlend.
“Ja. Nach all der Arbeit, die ich investiert habe, um uns hierher zu bekommen. Und das nur, weil Du gesagt hast, ich würde nichts auf die Reihe kriegen.”
“Deswegen hast Du das gemacht?!” fragte Marie erstaunt. “Das hab ich nur gesagt, weil ich wütend auf Dich war. Ich wusste immer, dass Du viel auf dem Kasten hast.”
“Echt?” fragte ich ein bisschen verlegen.
“Natürlich! Denkst Du, ich hätte mich mit einer Dumpfbacke eingelassen? Das hab ich schon mal gemacht und den Fehler werde ich nie wiederholen.”
Sie sah mich lächelnd an und meine Eingeweide fuhren wieder Achterbahn.
“Ey, Dörte, der klaut Dein Bike!” hörte ich plötzlich Hinnaak schreien.
Verwirrt sah ich mich um. Sollte das ein dummer Witz sein? Ich besaß doch das beste Schloss der Welt.
Voller Schreck fiel mir ein, dass ich vorhin vergessen haben musste, es anzuschließen. Das musste jetzt jemand bemerkt haben.
Wir rannten los, zu den Fahrradständern. Ich lief so schnell es mein fauler Körper mir ermöglichte, was bedeutete, dass ich mal eben so neben Hinnaak mithalten konnte. Wahrscheinlich machte sein schmerzender Bauch ihm noch Schwierigkeiten.
Mein Kopf sagte mir zwecklos, mit einem Fahrrad wird der sowieso schneller sein als wir, trotzdem lief ich weiter und entdeckte den Dieb auf meinem Fahrrad, wie er sich auf der Zufahrtstraße von der Stadthalle entfernte. Er war schon ziemlich weit weg und es war dunkel, trotzdem erkannte ich Axel den Schubser wieder.
Was sollte das sein? Eine Art Rache? Woher wusste er, dass das mein Fahrrad war? Er musste mich wohl beobachtet haben, als ich es vorhin vor dem Haupteingang abgestellt hatte.
Er fuhr einen eigenartigen Stil. Mit unsicheren Schlenkern eierte er die Straße hinunter, und versuchte verzweifelt, sein Gleichgewicht zu halten. Am Ende des Parkplatzes gewann der Panzer die Oberhand, knallte scheppernd auf die Straße und Axel machte einen horizontalen Rittberger auf dem Asphalt.
Geschockt rappelte er sich auf, sah sich nach seinen Verfolgern um und rannte schleunigst davon.
“Was war denn mit dem?” keuchte Mark hinter mir, nachdem wir mein Fahrrad erreicht hatten. “Hat der nie gelernt, ohne Stützräder zu fahren?”
Erst jetzt bemerkte ich, dass die komplette Band Hinnaak und mir gefolgt war.
Bei dem Zusammengehörigkeitsgefühl, das mich bei diesem Anblick durchströmte, musste ich losgelöst grinsen. Auch, weil es das tausendste Mal war, dass ich von dem verzogenem Rahmen meines Fahrrads erzählen musste.
“Nein, das ist es nicht.” nahm Hinnaak mir die Arbeit ab. “Dieses Fahrrad ist ein Panzer. Und um einen Panzer zu fahren, braucht man normalerweise drei Leute. Mick ist der Einzige, der es alleine kann.”
“Ist mit Deinem Fahrrad alles okay?” fragte Peter.
“Ja ja.” beruhigte ich ihn. “Das ist schon öfter gestürzt.”
Ich hob mein armes Fahrrad auf und schob es zum Transit zurück, um im Licht der Straßenlaterne zu sehen, ob nicht doch was kaputt war.
Hinter mir fragte Mark
“Wer ist Dörte?”

Ich hatte erwartet, dass die drei Mädels inzwischen verschwunden wären, oder zumindest Marie, aber sie waren alle noch da und hatten die Szene vom Transit aus beobachtet.
“Ist Dein Fahrrad kaputt?” fragte Marie besorgt.
“Nein, ich glaub nicht.” sagte ich und begutachtete den Rahmen. “Nichts ist schlimmer als vorher.”
Mark setzte sich auf den Fahrersitz seines Wagens und während alle noch über den Sturz von Axel lachten, fragte ich Marie
“Warum redest Du eigentlich wieder mit mir?”
Einen Moment dachte ich, sie würde sich wieder abwenden, aber sie betrachtete nur ihre Schuhe.
Erstaunlich. Ich hatte Marie nie verlegen gesehen. Irgendwas war da im Busch.
Ich sah sie abwartend an.
“Na ja, ich hab mit meiner Schwester gesprochen,” begann sie, “und sie hat mir von dieser Nacht erzählt.”
“Wolltest Du ein paar Einzelheiten hören?” fragte ich.
“Nein. Sie hat mir gesagt…”
“Da bist Du ja, Kleiner.” posaunte die Stimme vom fetten Obermaier hinter mir. Unwirsch wegen der Unterbrechung drehte ich mich um. “Ich wollte Dir nur sagen, dass es mir wirklich leid tut mit der Disqualifikation”, meinte er mit viel Schmalz in der Stimme, “aber Regeln sind Regeln. Da kann selbst ich nichts dran ändern.”
“Ach nein? Ich hab Sie für allmächtig gehalten, aber dieser Eindruck hat jetzt gelitten.” meinte ich sarkastisch.
“Na ja. Auf manche wirke ich wohl so.” meinte er geschmeichelt. “Aber Deine Band fand ich wirklich ganz okay.” sagte er und an die Band gerichtet “Ihr wart toll! Ich meine, Ihr habt gute Ansätze, und wenn sich der richtige Lenker und Former um eine Band wie Euch kümmern würde, könnte was daraus werden.”
Mark saß hinter dem Lenkrad seines Transit und guckte Obermaier provozierend gelangweilt an.
“Ich hab mir überlegt, dass ich Euch den Gefallen tun und die Band unter meine Fittiche nehmen könnte.” meinte Obermaier gönnerhaft.
“Und als was?” fragte John.
“Als Manager.”
“Die Pinheads haben einen Manager.” sagte Peter. “Er steht hinter Ihnen.”
Obermaier sah mich über die Schulter an und lachte sarkastisch auf, wobei seine Schultern schwabbelten.
“Ich hab die Erfahrung, das Know how.” holte er aus. “Ich weiß, wo man hingehen muss, wie man eine Band nach oben bringen kann. Von all den Qualitäten hat er hier keine einzige.” Damit wies er mit einem Kopfnicken auf mich.
“Sie haben mich schon mal unterschätzt.” sagte ich ruhig.
“Im Gegensatz zu Ihnen hat Mick schon an uns geglaubt, als wir noch nicht mal eine Band waren.” sagte Peter bestimmt. “Sie können vielleicht eine Gruppe von Leuten zusammensetzen, die alle ihre Instrumente beherrschen und sie auf eine Bühne stellen. Aber das hat alles nichts zu tun mit der ältesten und wahrscheinlich einzigen Konstante im Musikgeschäft: Ein Hit ist ein Hit. Und Mick hat unseren Hit erkannt, als er als roher Entwurf auf dem Papier stand. Er hat ein klasse Gespür für Musik und verfügt über ein ausgezeichnetes Vermarktungstalent. Und deshalb ist er der beste Manager, den wir uns wünschen können.”
Mir schnürte sich die Kehle zu. Solche Worte von Peter zu hören, war ein unglaubliches Gefühl. Und er wies mich endgültig darauf hin, wie stolz ich auf meine Arbeit sein konnte. So deutlich hatte ich es noch nie gesehen: Diese Band und diesen fantastischen Auftritt an diesem Abend gab es nur meinetwegen.
Obermaier machte ein saures Gesicht.
“Na bitte. Wenn Ihr Euch diese Chance verbauen wollt, nur zu. Aber eins sage ich voraus. In spätestens drei Monaten steht Ihr bei mir im Büro und fleht mich an, mein Angebot zu wiederholen.”
“Die Wette halten wir.” sagte Hinnaak. “Was ist Dein Einsatz? Die Unschuld Deiner Tochter?”
Grimmig blickte Obermaier in die Runde und stapfte ohne ein weiteres Wort davon.
“So!” rief und Tom und klatschte in die Hände. “Jetzt feiern wir!”
“Au ja!” freute sich Hinnaak. “Wir fahren jetzt alle zu uns und heben einen. Hey, Dörte! Äh, ich meine Mick. Schmeiß Dein Bike bei Mark hinten rein.”
Marie stand immer noch neben mir und ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt nicht mitfahren sollte.
“Nein, fahrt lieber schon mal vor. Ich komm dann nach.”
“Ist gut.” sagte Hinnaak.
Alle stiegen ein, Motoren wurden angelassen und die Autos fuhren den Parkplatz hinunter, bogen auf die Hauptstraße und verschwanden. Durch die Seitenfenster von Johns Mercedes konnte ich noch sehen, dass Peter und Gisela sich küssten.
Dann wurde es ruhig, und auch wenn noch viele Autos auf dem Parkplatz standen, waren Marie und ich plötzlich sehr allein.
“Wie oft soll ich Dir noch sagen, dass es mir leid tut mit Gisela.” sagte ich. “Auch wenn Du das nicht als Entschuldigung gelten lässt, hat es mir überhaupt nichts bedeutet. Ich war nicht bei Verstand. Mein Körper wurde nur noch von diesen beschissenen Hormonen gesteuert. Jetzt bin ich bei Verstand. Ich weiß, was ich sage. Gisela bedeutet mir nichts, aber ich liebe Dich und Du fehlst mir.”
Marie lächelte und stellte sich dicht vor mich. Ihr Duft hüllte mich ein.
“Sie hat gesagt, Du warst zu betrunken und bist eingeschlafen, bevor irgendwas passieren konnte.” sagte sie leise und es dauerte ein paar Sekunden, bis ich den Satz verstand.
“Was?”
“Ja, es war nichts. Muss sie eine Menge Überwindung gekostet haben, mir das zu erzählen. Ich wünschte, ich hätte eine bessere Beziehung zu ihr. Ich mache es ihr nicht leicht, mit meinen ewigen Moralpredigten, das weiß ich. Vielleicht ist das ein Anfang.”
Geschockt stand ich da und versuchte, mir darüber klar zu werden, wie lange ich unter diesem belastenden Irrtum gelebt hatte und was für Konsequenzen daraus erwachsen waren. Vorwürfe, Schuld, verletzte Gefühle, Zurückweisung, Eifersucht, Zorn und schließlich Ehrgeiz. Und jetzt war ich hier.
“Dann hatten wir unseren Streit also völlig wegen nichts.” stellte ich fest.
Marie lächelte leicht.
“Ja und ich bin froh darüber. Auch wenn ich weiß, dass ich vieles zu eng sehe, kann ich mich nicht über Nacht ändern. Ich werd versuchen, daran zu arbeiten, aber bis dahin…bin ich froh, einen Grund zu haben, um nicht mehr sauer auf Dich sein zu müssen.”
Damit küsste sie mich. Und aus der leichten, sanften Berührung unserer Lippen wurde ein langer, leidenschaftlicher und lang herbeigesehnter Kuss und ich legte meine Arme um sie und drückte sie so fest wie ich es wagte. Ihre schlanken Finger strichen über mein unrasiertes Gesicht und ihre rehbraunen Augen suchten meinen Blick, als sie sagte
“Ich liebe Dich auch.”
Wortlos ließ ich meine Hand durch Ihr herrliches honigblondes Haar streichen.
“Ich muss Dich warnen.” sagte ich. “Ich lass Dich nie wieder los.”
“Um so besser.” sagte sie.
Langsam machten wir uns auf den Weg, denn zu Fuß war es ein ganzes Stück bis zu meiner Wohnung.
Maries Worte gingen mir nicht aus dem Kopf. Ich musste grinsen.
“Heißt das eigentlich, ich hab jetzt einen gut bei Deiner Schwester?” fragte ich.
“Hey!” Marie rempelte mich an. “Ich hab zwar gesagt, ich werde versuchen, in Zukunft nicht mehr alles so eng zu sehen, aber das heißt es noch lange nicht.”
“Okay.” sagte ich. “Ich will nur nicht, dass jemals wieder so etwas zwischen uns kommt.”
“Das will ich auch nicht.” sagte Marie. “Und darum werden wir immer ehrlich zueinander sein. Einverstanden?”
“Hört sich gut an.” sagte ich.
“Na fein. Dann fang gleich mal an. Wieso hat Erik Dich vorhin Dörte genannt?”
Ich atmete tief durch. Und als wir den Fußweg erreichten, mein Fahrrad links von mir und Marie rechts, sagte ich
“Weißt Du, das ist eine Geschichte für sich.”

*
Epilog:

“Du willst Musikmanager werden?” fragte Micks Mutter mit einer Mischung aus Unglauben und Skepsis durchs Telefon. “Warum suchst Du Dir nicht lieber einen richtigen Job?”
“Das ist ein richtiger Job, Mama. Damit kann man auch Geld verdienen. Und meine Band hat schon die ersten Buchungen. Wir treten zur Zeit noch in Bars und Klubs auf, aber ich hab das Gefühl, dass wir bald auch in größeren Hallen spielen können.”
“Na ja, besser als nichts.” sagte Ursula Petersen zweifelnd. “Weißt Du übrigens, was ich vergessen habe, Dir zu erzählen? Da hat jemand ein paar von meinen Rosen geklaut. Von ganz hinten, dass man es fast nicht sieht. Einfach abgeschnitten und mitgenommen.”
“Wann ist denn das gewesen?”
“Weiß ich nicht. Kann irgendwann gewesen sein. Aber ich werde wohl einen Zaun um meine Rosen ziehen lassen.”
“Das hilft bestimmt.”
“Macht Dein Freund Erik auch mit bei dieser Musikgeschichte, jetzt, wo sein Zivildienst vorbei ist?”
“Ja, so hin und wieder hört er sich was an und gibt seine Meinung ab. Bei Auftritten ist er gern dabei. Er sagt, da kann man gut Mädels…Aber lassen wir das.”
“Was macht er denn sonst?”
“Das willst Du nicht wissen.” sagte ich.
“Natürlich will ich es wissen.” erwiderte sie.
“Nein, glaub mir…”
“Er verkauft doch keine Drogen oder so?” fragte Ursula erschrocken.
“Nein, er ist Pornodarsteller geworden.” sagte ich.
“Wie bitte?”
“Ja, letzte Woche hat er seinen ersten Vertrag bekommen und dreht jetzt seinen ersten Film. Er meint, wenn er es richtig anstellt, wird er bald einen Haufen Kohle als Pornostar machen. Er hat auch schon einen Künstlernamen. Phil Latio.”
“Du willst mich veräppeln.” sagte Ursula unsicher.
“Ich hab Dir ja gesagt, Du willst es nicht wissen.”
“Wechseln wir lieber das Thema, okay?”
“Meinetwegen.”
“Wann kommst Du denn mal wieder zum Essen?”
“Ach, ich soll wohl Deinen Zaun ziehen, was?”
“Nein, aber ich will dann auch meine Freundin Susanne einladen. Die hat übrigens eine Tochter, die in Deinem Alter ist. Sie lernt Frisörin und hat…”
“Lass es bleiben.” unterbrach ich sie. “Ich bin mit Marie zusammen.”
“Welche Marie?” fragte Ursula erstaunt. “Etwa Berta Blomms Nichte?”
“Genau die.”
“Oh. Das ist ja prima.” klang es überschwänglich erfreut durch die Leitung. “Ich muss Dir übrigens gestehen, ich hab sie Dir mit Absicht vorgestellt.”
“Du willst mich veräppeln.” wiederholte Mick sarkastisch den Ausspruch seiner Mutter.
“Nein nein, ehrlich! Ich wusste, dass es klappen würde! Manchmal muss man nur ein bisschen nachhelfen! Ich muss jetzt Schluss machen. Bis bald.”
Mick legte den Hörer auf und lächelte.
“Und was Du nicht weißt, füllt ein ganzes Buch.” sagte er.

Ende


Liebe Leser! Hier endet unser Skript und “Online-Projekt” Dörte – und wie er die Welt sah.
Im Lauf der Zeit haben wir festgestellt, dass nicht wenige von Euch wöchentlich zurückgekehrt sind, um das neue Kapitel zu lesen. Hierfür und dass Ihr bis zum Ende dabeigeblieben seid, möchten wir uns herzlich bei Euch bedanken.

Wie hat Euch die Story alles in allem gefallen? Über ein Feedback in unserem Gästebuch würden wir uns freuen.
Viele Grüße

Sören & Mike





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